Die Bockwindmühle

Der Anfang


Die Errichtung der Windmühle wurde im Jahre 1701 von Valentin Trappe, dem damaligen Pächter der unweit entfernten Dornbocker Bockwindmühle beantragt. Erbaut wurde die Mühle bis 1709 für das Gut Patzetz, das damals als sog. Vorwerk zur Domäne Rosenburg gehörte.

Es handelt sich um eine Bockwindmühle, den ältesten Windmühlentyp in Europa. Im deutschen Raum gibt es Bockwindmühlen seit dem 15. Jahrhundert. Kennzeichnend ist, dass das gesamte Mühlenhaus auf einem einzelnen dicken Pfahl, dem sog. Hausbaum, steht. Der Hausbaum ist senkrecht auf einem hölzernen Stützgestell, dem sog. Bock, befestigt. Diese Konstruktion ermöglicht es, die gesamte Mühle je nach Windrichtung zu drehen. Die Flügel übertragen die Windkraft auf die Flügelwelle mit dem großen Kammrad, das mit seinen hölzernen Zähnen in das Stockgetriebe greift und den oberen Mühlstein in Bewegung setzt.


Die Sachsendorfer Bockwindmühle wechselte in den letzten dreihundert Jahren mehrfach die Besitzer. 1911 kaufte der Müllermeister Albert Liebeherr sen. das gesamte Grundstück, auf dem sich seit etwa 1890 auch ein Wohnhaus befindet. 1928 übernahm sein Sohn Albert Liebeherr jun. den Mühlenbetrieb.


Die fortschreitende technische Entwicklung Anfang des 20. Jahrhunderts machte die Bockwindmühle unrentabel, sodass 1937 der Mühlenbetrieb durch eine bis 1972 betriebene Motormühle im Nebengebäude ersetzt wurde.

Maßnahmen nach dem Verfall


Das Kriegsende 1945 hat die Mühle ohne Schäden überstanden, war aber in den folgenden Jahren dem Verfall durch Wind und Wetter preisgegeben. Bis Ende der 80er Jahre blieb nur noch eine Ruine übrig.

Als sich die gesellschaftlichen Verhältnisse 1989 änderten, eröffnete sich die Chance, die Mühle zu retten. Der 1991 gegründete Freundeskreis Mühle Sachsendorf e. V. hat mit Hilfe von Fördermitteln die Windmühle als technisches Denkmal bis 1995 voll funktionstüchtig wieder aufgebaut.

Die Bockwindmühle mit Jalousieklappenflügeln ist windgängig, d. h. die Flügel reagieren auf die Windverhältnisse, indem sich die Klappen automatisch durch die Fliehkraft öffnen und schließen.

Bei einer Routinekontrolle im Frühjahr 2017 wurden witterungsbedingte Schäden am Flügelkreuz festgestellt. Die Flügel mussten abgebaut werden

Eine weitere Überprüfung ergab, dass auch der Mühlenbock und die Flügelwelle erneuert werden müssen. Der Verein stand vor einem großen Problem: Aus eigener Kraft konnte er die veranschlagten Reparaturkosten von 69.000 Euro nicht aufbringen. So wurden Spendenaufrufe gestartet und Fördermittel beantragt. Durch viele Einzelspenden, einer Zuwendung der Salzlandsparkasse und einer größeren Spende durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gelang es dem Verein, die erforderlichen Eigenmittel für eine Förderung durch das europäische LEADER-Programm aufzubringen.


Dank dieser Unterstützung konnte 2019/2020 die Sanierung der Bockwindmühle durch die Mühlenbaufirma Wernicke umgesetzt werden.


Geschichte der Bockwindmühle

15. März 2024

In ein paar Wochen, Ende Mai, findet wieder deutschlandweit der Mühlentag statt. Auch die Sachsendorfer Bockwindmühle kann wieder besichtigt werden. Deshalb möchten wir gern noch einmal an die Entstehung dieses Baudenkmals erinnern. Die Sachsendorfer Bürgerin Frau Gudrun Beckerhat schon ihre Kindheit im Ort verbracht und führte jahrelang mit großem Engagement eine Chronik zum Geschehen im Dorf.


Hier ein Auszug aus ihren Aufzeichnungen zur Bockwindmühle:

Der Antrag zum Bau der Bockwindmühle wurde im Jahr 1701 vom damaligen Pächter der Dornbocker Windmühle Valentin Trappe gestellt. Die Patzetzer Mühle diente dem Gute Patzetz (Vorwerk)Amt Rosenburg und wurde 1708 in Betrieb genommen. Nach Aufzeichnungen von Herrn Walter Rust aus Sachsendorf betrieb im Jahre 1805 der Müllermeister Ernst Riede die Patzetzer Mühle, später Theodor Lüddecke- beide wohnten in Sachsendorf Nr.19 (Müllerwohnung).


Später wurde das Wohnhaus des Müllers direkt an der Mühle gebaut. Oft wechselten in den zwei Jahrhunderten des Bestehens der Bockwindmühle ihre Besitzer.In der heutigen Form entstand die Mühle jedoch erst 1819, wie eine Inschrift am Mahlbalken der Mühle belegt. Im Jahre 1911 kaufte und betrieb der Müllermeister Albert Liebeherr sen. die Bockwindmühle in Sachsendorf. Doch schon einige Jahre später übernahm sein Sohn Albert Liebeherr jun. den Mühlenbetrieb. Er lies 1928 die Windmühlenflügel seiner Mühle, die in Mühlingen gebaut wurden, erneuern. Da man mit einer Motormühle schneller und rentabler produzieren konnte, baute der junge Müllermeister im Nebengebäude eine solche. Damit war dem Mühlenbetrieb der Patzetzer Bockwindmühle 1938 ein Ende bereitet und sie selbst dem Verfall preisgegeben.


Von 1938 bis 1946 wurde die Motormühle mit Diesel, danach mit Kraftstrom betrieben. Es wurde gemahlen und geschrotet.Hauptsächlich wurde Roggen zu Brotmehl verarbeitet, Gerste zu Gerstenmehl für Klöße, Plinsen sowie für die Ferkelaufzucht, Weizen zu Kuchen- und Weizenmehl. In den Kriegsjahren wurden noch Gries, Graupen und Haferflocken „hergestellt“. Mit dem Tode des letzten Müllermeisters der Patzetzer Bockwindmühle starb auch der Mühlenbetrieb der Motormühle Sachsendorf. Eine Broschüre von 1988, in der die Baudenkmale des Kreises Schönebeck benannt sind, hat für die Sachsendorfer Mühle nur verhalten- traurige Worte- übrig.


Originaltext:

“Mittlerweise ohne Dach und mit schadhafter Verbretterung wird die Erhaltung immer schwieriger…“. Die Gemeinde Sachsendorf und Familie Gustav Radespiel gründeten mit anfangs 14 interessierten Bürgern den Mühlenverein „Freundeskreis Mühle Sachsendorf e.V.“ Durch großes Engagement des Vereins konnte der verfallenen Bockwindmühle im Zeitraum von 1991-1993 wieder zu ihrem ursprünglichen Aussehen verholfen werden. Mit dieser Mühle soll unseren Nachkommen ein Stück altes deutsches Kulturerbe erhalten bleiben. Der Freundeskreis Mühle Sachsendorf e.V. und die Dorfbewohner sind vorbereitet- also kommen Sie gern vorbei am Pfingstmontag und verleben sie einen hoffentlich sonnigen Tag in Sachsendorf.                           


Text: Christine Elze, Vorsitzende Heimatverein Sachsendorf

Besichtigung der Bockwindmühle

Die Windmühle soll der Nachwelt als technisches Denkmal erhalten bleiben. Sie steht allen interessierten Besuchern zur Besichtigung offen. Gruppen und Einzelbesucher sind jederzeit herzlich eingeladen, einen Besichtigungstermin zu vereinbaren. Spontane Besuche sind an den Wochenenden zwischen 10:00 - 12:00 Uhr möglich.


Alljährlich findet am Pfingstmontag zum "Deutschen Mühlentag" und am zweiten Sonntag im September zum "Tag des offenen Denkmals" ab 10:00 Uhr ein Mühlenfest statt.

Die Mühle ist als besondere Sehenswürdigkeit im Salzlandkreis in das Projekt "Salzländer Kulturstempel" aufgenommen worden. Jedermann kann seinen Besuch an der Mühle durch einen Stempel dokumentieren. Die Stempelkiste finden Sie neben der Einfahrt zur Mühle.


Ansprechpartner:

Herr Martin Häniche
Tel.: 039295 179935
E-Mail:
freundeskreis-sachsendorf@outlook.de

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